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Bidirektionales Laden: Mit welcher bidirektionalen Wallbox wird mein E-Auto zum Stromspeicher?

Überschüssigen Strom aus deiner PV-Anlage im Auto zwischenspeichern und abends wieder entnehmen? E-Auto beim Arbeitgeber aufladen und den Strom zu Hause nutzen? Oder mit einem dynamischen Stromtarif günstigen Strom kaufen und zu einem späteren Zeitpunkt teurer wieder einspeisen? Hört sich an wie ein Traum? In diesem Artikel verraten wir dir was dahinter steckt!


bidirektionales laden wird mit einer bidirektionalen Wallbox und einem e-auto an einem Haus mit PV-Anlage symbolisch dargestellt.


Was ist bidirektionales Laden?

Beim bidirektionalen Laden fließt der Strom nicht nur in die eine, sondern kann auch in die andere Richtung fließen: Die Batterie deines Elektroautos nimmt den Strom nicht nur auf, sondern gibt diesen bei Bedarf auch wieder ab. Du nutzt die Batterie deines Autos also nicht nur zum Fahren, sondern auch als Speicher für den überschüssigen Strom an besonders sonnigen Tagen oder wenn du in deinem Haus nicht genug Verwendung dafür hast.

Beim bidirektionalen Laden werden verschiedene Ansätze unterschieden, die unter dem Begriff Vehicle-to-X (V2X) zusammengefasst werden und sich unter anderem wie folgt aufteilen:

  • Vehicle-to-Load (V2L): Der Strom wird mit einer Spannung von 230V direkt an externe Verbraucher geliefert. Du kannst damit zum Beispiel deinen Föhn betreiben oder einen frischen Kaffee kochen. Hierbei wird ein Adapter direkt an deinem Fahrzeug angeschlossen, eine Wallbox benötigst du hierfür nicht.

  • Vehicle-to-Vehicle (V2V): Der Strom fließt von einem Fahrzeug zu einem anderen, um bspw. Reichweitenprobleme zu lösen, wenn keine Ladestation in der Nähe ist.

  • Vehicle-to-Home (V2H): Der Strom fließt vom Fahrzeug in dein Hausnetz, du wirst also unabhängiger und senkst außerdem deine Stromkosten. Im Schnitt verbrauchst du in der Zeit zwischen 18 und 6 Uhr etwa 7kWh, dafür sind die meisten Auto-Akkus ausreichend.

  • Vehicle-to-Grid (V2G): Hierbei wird überschüssiger Strom ins öffentliche Stromnetz eingespeist. Du hilfst also, die Netzstabilität zu verbessern und die Integration erneuerbarer Energien zu fördern.


Die beiden letztgenannten Formen funktionieren jedoch nur, wenn sowohl dein Fahrzeug als auch deine Ladeinfrastruktur, also die Wallbox, das bidirektionale Laden unterstützen.

Seit April 2022 regelt die ISO-Norm 15118-20 die Kommunikationsstandards für alle oben genannten Technologien. Mit ihr soll die Kompatibilität zwischen bidirektionalen Wallboxen, E-Autos und Energiemanagementsystemen für das bidirektionale Laden gewährleistet werden.

Formen des bidirektionalen Ladens mit einer bidirektionalen Wallbox

Wie funktioniert bidirektionales Laden?

Damit bidirektionales Laden erfolgen kann, müssen einige Voraussetzungen erfüllt werden. Doch erst mal ein paar grundlegende Basics für dein besseres Verständnis:

Unser öffentliches Stromnetz funktioniert mit sogenanntem Wechselstrom, abgekürzt mit AC (für Alternating Current). Elektroautos hingegen nutzen in ihren Akkus Gleichstrom, abgekürzt mit DC für Direct Current. Damit das Auto also geladen werden kann, muss zunächst Wechselstrom (AC) aus dem Stromnetz in Gleichstrom (DC) für die Fahrzeugbatterie umgewandelt werden. Wird der Strom dann wieder ins Netz gespeist, findet erneut eine Wandlung statt.


Stromwandlung außerhalb des Fahrzeugs (DC-Laden)

Beim DC-Laden wird der aus dem Stromnetz bezogene Wechselstrom bereits in der Ladestation in Gleichstrom umgewandelt und anschließend in den Fahrzeugakku eingespeist. Soll eine Ladestation DC-seitig bidirektionales Laden ermöglichen, benötigt sie neben einem Gleichrichter zusätzlich einen Wechselrichter.


Aktuell arbeiten wir bei DaheimLaden an der Entwicklung einer DC-Wallbox für den Heimgebrauch und planen deren Markteinführung für das Jahr 2027. Vor diesem Hintergrund gehen wir in diesem Blogartikel nicht näher auf das bidirektionale DC-Laden ein.


Stromwandlung im Fahrzeug (AC-Laden)

Beim AC-Laden übernimmt das Fahrzeug selbst die Umwandlung des Stroms. Der Wechselstrom aus dem Netz wird im sogenannten Onboard-Lader im Auto in Gleichstrom umgewandelt, damit die Batterie geladen werden kann.


Wenn bidirektionales Laden möglich sein soll, muss dieser Prozess auch umgekehrt funktionieren. Das bedeutet: Die Energie aus der Fahrzeugbatterie wird wieder in Wechselstrom umgewandelt und kann zurück ins Haus oder ins Stromnetz fließen. Dafür benötigt das Fahrzeug zusätzliche Technik-Komponenten, die den Strom entsprechend umwandeln kann (Wechselrichter im Fahrzeug + Software-Steuerung im Fahrzeug für bi-direktionalen Stromfluss über AC-Onboard-Lader).



Bidirektionales Laden mit einer AC-Wallbox

Immer mehr Hersteller von Elektrofahrzeugen und Ladeinfrastruktur werben mit der Fähigkeit zum bidirektionalen Laden. In der Praxis ist diese Funktion derzeit jedoch häufig nur eingeschränkt nutzbar. Das liegt weniger an der technischen Machbarkeit als vielmehr an noch nicht vollständig definierten regulatorischen Rahmenbedingungen, fehlenden einheitlichen Kommunikationsstandards sowie teilweise unklaren oder unvollständigen Technischen Anschlussbedingungen (TAB) der Netzbetreiber.


Damit eine Wallbox als „bidi-ready“ oder „hardwareseitig auf bidirektionales Laden vorbereitet“ bezeichnet werden kann, müssen bestimmte technische Voraussetzungen erfüllt sein. Dazu zählen insbesondere die Integration eines PLC-Moduls (Power Line Communication) zur Kommunikation zwischen Fahrzeug und Ladestation sowie die Unterstützung relevanter Standards wie ISO 15118.


Der DaheimLader Business PRO erfüllt diese Voraussetzungen bereits heute. Aufgrund der aktuellen regulatorischen und marktseitigen Situation kann jedoch keine Garantie dafür übernommen werden, dass solche Systeme künftig per Software-Update tatsächlich für bidirektionales Laden freigeschaltet werden können. Voraussetzung hierfür sind insbesondere entsprechende Freigaben durch Fahrzeughersteller, Netzbetreiber sowie die Weiterentwicklung der gesetzlichen Rahmenbedingungen.


Die aktuelle Markt- und Rechtslage

Anfang 2026 wurden wichtige regulatorische und technische Weichen für das bidirektionale Laden gestellt.


Durch eine Anpassung des Energiewirtschaftsgesetz (EnWG) werden Elektrofahrzeuge künftig stärker wie stationäre Batteriespeicher behandelt. Ziel ist es, die Rückspeisung von Energie ins Netz zu erleichtern und wirtschaftlich attraktiver zu gestalten, unter anderem durch eine veränderte Bewertung von Netzentgelten.


Darüber hinaus ist im Laufe des ersten Halbjahres 2026 vorgesehen, die marktaktive Nutzung von Stromspeichern und Ladepunkten weiter zu ermöglichen. Künftig soll es einfacher werden, sowohl den Eigenverbrauch zu optimieren als auch Energie kontrolliert ins Stromnetz einzuspeisen.


Eine zentrale Voraussetzung hierfür ist der Einsatz eines intelligenten Messsystems (iMSys), das die gesetzlich geforderte Mess- und Steuerbarkeit sicherstellt. In der praktischen Umsetzung ist derzeit noch nicht abschließend geklärt, ob zusätzlich ein zweiter Stromzähler erforderlich sein wird – dies kann je nach Netzbetreiber variieren.


Mit der neuen technischen Anschlussregel VDE-AR-N 4105:2026-03 liegt nun erstmals ein konkretes Regelwerk vor, das die Grundlage für praxistaugliche Lösungen schafft. Die Norm definiert unter anderem standardisierte Prüf- und Zertifizierungsverfahren. Ziel ist es, dass Hersteller ihre Systeme künftig einmal zentral zertifizieren lassen können und diese Zertifizierung von Netzbetreibern anerkannt wird.


Im Bereich der AC-Kopplung ist dabei eine Zertifizierung des Gesamtsystems erforderlich – also bestehend aus Fahrzeug, Ladekabel und Wallbox. Der Grund: Der Onboard-Lader im Fahrzeug ist aktiv am Umwandlungsprozess beteiligt und somit Teil des Gesamtsystems.


Bei der DC-Kopplung hingegen beschränkt sich die Zertifizierung in der Regel auf die Ladestation selbst, da das Fahrzeug hierbei technisch als reiner Batteriespeicher fungiert.


Wichtig für Endkunden: Trotz dieser Fortschritte unterstützen aktuell nur sehr wenige Fahrzeughersteller bidirektionales Laden im AC-Bereich in der Praxis über die Vehicle-to-Load Funktion hinaus. Insbesondere fehlt es noch an entsprechender Fahrzeugsoftware durch den Fahrzeug-Hersteller. Selbst wenn die notwendige Hardware vorhanden ist, bedeutet dies daher nicht automatisch, dass die Funktion bereits genutzt werden kann.


Das DaheimLaden-Fazit


Auch wenn man in herstellerneutralen Recherchen vereinzelt optimistischere Einschätzungen zum bidirektionalen AC-Laden findet, ist eine Umsetzung im klassischen Hausanschluss aus unserer Sicht derzeit in der Regel noch nicht praktikabel.


Die Gründe hierfür liegen insbesondere in noch offenen regulatorischen Fragen, uneinheitlichen Vorgaben der Netzbetreiber sowie dem aktuell hohen Zertifizierungsaufwand für die beteiligten Systeme, sowie der fehlenden Fahrzeug-Software Komponenten-


Für die kommenden 2-3 Jahre erwarten wir daher eher vereinzelte, nicht standardisierte Lösungen in spezifischen lokalen Konstellationen – typischerweise im Rahmen von Pilotprojekten. In solchen Projekten arbeiten Netzbetreiber, Fahrzeughersteller und Anbieter von Ladeinfrastruktur eng zusammen, um eine technisch und regulatorisch konforme Umsetzung zu ermöglichen.


Ein flächendeckender Einsatz von herstellerübergreifenden, standardisierten AC-Lösungen ist aus heutiger Sicht daher noch nicht absehbar.

DaheimLaden Onlineshop

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